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250 Jahre USA – ein Grund zum Feiern?
Briefing 7/26

Donald Trump, Jahrgang 1946 ist 80, ein alter Mann würde man meinen.
Statt kürzer zu treten und den Lebensabend zu geniessen veranstaltet er ein geopolitisches Chaos sondergleichen, das ihn zunehmend zu überfordern scheint. Seine öffentlichen Auftritte werden immer skurriler, unberechenbarer. Noch nie ist ein amerikanischer Präsident medial derart diskreditiert worden wie Donald. Noch nie war ein amerikanischer Präsident derart verhasst, verachtet. Noch nie hat ein Führer der «freien Welt» den demokratischen Institutionen seines Landes derart geschadet wie er.

Just in diesem Moment erscheint Somms Memo mit dem Titel «Amerika – wir danken dir».[1] Man reibt sich die Augen und versteht die Welt nicht mehr. Das Memo, eine Lobhymne auf die Verdienste der USA gipfelt mit einem Zitat von Winston Churchill: «Auf die Amerikaner ist immer Verlass, dass sie das Richtige tun – nachdem sie alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft haben.»

In der Haut von Trump

Möglich, dass Somm im Sold amerikanischer Interessen steht, um so zu verfahren. Seine historischen Analysen sind in der Regel aufschlussreich und prägnant, in diesem Fall aber fehlt ein Focus auf die letzten zwei evtl. sogar ein solcher auf die letzten 25 Jahre des 250-Jahre Jubiläums der USA.  Was verdanken wir dem Land, das so viel zur Freiheit, zum Wohlstand und zum Fortschritt der Menschheit beigetragen hat, heute?

Hier und jetzt verdanken wir diesem Land einen schwachsinnigen Krieg im sonst schon fragmentierten Nahen Osten. Wir verdanken diesem Land ein mutwilliges Zerstören einer bislang regelbasierten Ordnung der Weltwirtschaft, einen Bruch zahlreicher, existenzieller Lieferketten. Wir erleben im Moment ein  «Laissez-aller» von geopolitischem Ausmass, dessen Folgen und Ergebnisse kaum prognostizierbar sind. Wie gross sind nun die Einbrüche im Bereich der Agrochemikalien, wo stabilisiert sich der Ölpreis? Wann kehrt wieder ein Minimum an Stabilität ein?

Der 80-jährige, greise Präsident steht vor gigantischen Herausforderungen: Krieg gegen Iran, wankende Weltwirtschaft, drohender Kollaps des Dollars als Weltwährung, Desintegration.

All dies scheint er locker wegzustecken, wenn man ihm zuhört. Doch wie geht er mit dem Umstand um, dass ihn die ganze Welt verachtet, verhöhnt und auf zahllosen Medien geradezu seziert? [2]

Und gleichzeitig wird Europa wird von einer Hitzewelle erfasst, die alle Rekorde bricht.[3]

Alle Kriege sind Raubzüge

Dieses Sprichwort geht auf Voltaire zurück. Im Kern trifft es auch auf den Krieg zwischen dem Iran und den USA zu. Eigentlich ein Krieg ohne Kriegsgrund i.e.S. , da er im Auftrag von Israel geführt wird und keinesfalls im Interesse der USA ist, zumindest solange ein Raubzug – hier auf Ölreserven – ausbleibt. Der Angriff auf Iran hat eine für die Weltwirtschaft komparativ schlechtere Situation geschaffen als vor dem Krieg, die Strasse von Hormus war offen, nun ist und bleibt sie unter der Kontrolle des Iran. Angriffe auf den Iran werden asymmetrisch beantwortet mit Schlägen auf amerikanische Stützpunkte im Golf, womit sich die weltwirtschaftliche Abwärtsspirale weiter nach unten dreht. Daran wird sich in Zukunft wenig ändern, weil Iran keinesfalls besiegt ist. Donald Trump hat somit nur eine valable Option: Rückzug!

Was uns zu Markus Somm führt und seinem Loblied auf die 250-jährige USA. Die US-amerikanische Aussenpolitik ist seit 9/11 ein regelrechtes Fiasko. «Amerika – wir danken dir!», ein salopp hingeworfener Spruch muss in den Augen des gesamten Nahen Ostens als dröhnender Hohn aufgefasst werden. Nach den Kriegszügen in Libyen, im Irak, in Afghanistan, im Iran – die von den USA unterstützten Kriegszüge von Israel in Gaza und im Libanon lassen wir mal aussen vor – muss der ganze Nahe Osten, der fruchtbare Halbmond, die Wiege der Zivilisation von einst, als Trümmerhaufen bezeichnet werden. Überall, wo die USA als Folge von  9/11 im Nahen Osten Krieg geführt haben hinterliessen sie eine zerbombte, unregierbare und desintegrierte Gesellschaft, die sie auf blamable Weise im Stich gelassen haben.

Wieso eigentlich? Aus Eigeninteresse? Wohl kaum. Im Dienste einflussreicher zionistischer Kreise? Wohl eher. Ein Raubzug ist nicht zu erkennen, wohl eher eine Selbstdemontage.

USA – die Wiege der Demokratie?

Was Somm in seinem Memo ausführt, mag den verstaubten Historiker in seiner Studierstube wohl überzeugen, nicht aber den Zeitgenossen, der sich über den Zerfall der Demokratie in den USA seit 9/11 Gedanken macht. Wie ist es möglich, dass ein Präsident vom Schlage eines Donald Trump an die Macht kommt, die Institutionen verhöhnt und manipuliert, Verträge nach Lust und Laune bricht, und einen Amtsmissbrauch an den Tag legt, der seinesgleichen sucht. Seine 20’000 Transaktionen an der Börse allein letztes Jahr, sauber getaktet mit persönlicher Insiderinformation bzw. präsidialen Announcements lassen einen Korruptionssumpf ohne gleichen erahnen. [4]

Was hat dieses Gebaren noch mit hehren Lobliedern auf Freiheit, Ordnung und Demokratie zu tun, die Markus Somm in seinem Memo anstimmt. Das Gegenteil ist der Fall. Dier vielen besorgten Denker, die die jüngsten Entwicklungen verfolgen sprechen von klaren Anzeichen eines Niederganges der Demokratie in den USA. So spricht Beat Kappeler in einem kürzlich erschienenen. Essay von zunehmender Dekadenz, die sich auf vielfältig Weise äussert: Schuldenwirtschaft mit über 1000 Mrd. Schuldzinsen pro Jahr, tiefe Erwerbsquote im Vergleich zu europäischen Ländern, Zunahme der Bevölkerung und gleichzeitig Rückgang der Geburtenrate, Bildungsdiskrimination [5]. Laut Kappeler sind dies Anzeichen von Machtverlust, von Zerfall, wobei anzufügen ist, dass Trump der Hauptdarsteller in diesem Drama ist.

 9/11 – noch nicht ganz ausgestanden?

Wer sich anmasst bestimmte Fragezeichen hinter dieses kolossale Ereignis zu setzen begibt sich schnell ins Abseits. Er wird als Spinner, schlimmer noch als Verschwörungstheoretiker gebrandmarkt und auf diese Weise mundtot gemacht. Aktuell läuft allerdings ein Verfahren vor dem UK Supreme Court des britischen Staatsbürgers Matt Campbell, der seinen Bruder in den Twin Towers verloren hat. Sein prominenter Supporter ist Roger Waters, besser bekannt als Frontsänger von Pink Floyd. Am 14. Oktober 2026 ist ein spannendes Hearing zu erwarten, eine gerichtliche Auseinandersetzung über die zahlreichen Indizien und Beweise, wonach die Türme einer kontrollierten Sprengung zum Opfer gefallen sind. Campbell will wissen, wieso sein Bruder in den Türmen umgekommen ist, nicht mehr und nicht weniger. Die Frage der kontrollierten Sprengung lässt sich aber nicht von der Frage der eigentlichen Kontrolle über die Sprengung trennen, eine Frage, die möglicherweise deshalb nicht gestellt werden darf, weil sie an den Grundfesten der amerikanischen Demokratie rüttelt.

Oder lässt die disruptive Ära Trump diese Frage zu?
Man darf gespannt sein.

Seengen, 14. Juli 2026

Bertrand Barbey, Dr.oec. HSG, lic.iur.
bertrand.barbey@railoeb.ch


[1] https://www.nebelspalter.ch/themen/2026/07/amerika-wir-danken-dir-eine-hymne-auf-das-beste-land-das-die-menschheit-je-hervorgebracht-hat

[2] Statt unzähliger: Meidas Touch https://www.youtube.com/watch?v=-ozmVBuRr74

[3] Während ich diese Zeilen schreibe, steht der IC5, ein ICN von Alstom-Bombardier bei Bevaix, NE still. Stromausfall im ganzen Zug.  Ich hocke im (unbedienten) und nun unklimatisierten Speisewagen und mache mich auf einen heissen, langen Abend gefasst. Doch dank redundanten Systemen fährt der Zug nach einer halben Stunde gemütlich weiter ……, danke SBB.

[4] https://www.youtube.com/shorts/jyabP8Lf5t8

[5] https://insideparadeplatz.ch/2021/01/08/die-usa-in-der-dekadenz/

 

Briefing 7_26